15. Schwarzacher Frühjahrssymposium am 14.03.2026

EndoProthetikZentrum Schwarzach

Experten diskutierten über die verschiedenen Aspekte des schmerzenden Kniegelenkes

Am letzten Samstag trafen sich über 130 Teilnehmer beim fünfzehnten Schwarzacher Frühjahrssymposium im voll besetzten Festsaal der Orthopädischen Fachklinik Schwarzach.

„Das schmerzende Knie“ welche Ansätze gibt es aus Sicht des Sportmediziners, des Kinderorthopäden, des chirurgischen Orthopäden, des Radiologen und des Anästhesisten? Darüber diskutierten Professor Dr. Mayer, Direktor der Hochschulambulanz Potsdam, Privatdozent Dr. Wagner, Chefarzt der Kinderorthopädie Aschau, Professor Dr. Renkawitz, Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik Bad Abbach/Regensburg, Privatdozent Dr. Wiesmüller, Radiologe am St.-Elisabeth Klinikum Straubing, Dr. Birker und Herr Brandt, Chefärzte für Anästhesie, Dr. Paul, Leitender Arzt Arthroskopie und Privatdozent Dr. Martini aus der Orthopädischen Fachklinik Schwarzach mit den Teilnehmern des Ärztekongresses.

Die Orthopädische Fachklinik Schwarzach ist seit 2017 von endocert, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, als Endoprothesenzentrum zertifiziert, da sie unter Leitung von Privatdozent Dr. Martini eine hohe Qualität in der Operation von künstlichen Hüft- und Kniegelenken nachweisen konnte. So wurden im Jahre 2025 über 2.000 Knie- und Hüftendoprothesen an der  Orthopädische Fachklinik Schwarzach operiert. Seit Jahren wird der Klinik eine überdurchschnittliche Qualität nicht nur von Focus, sondern auch beim Krankenhausnavigator der AOK attestiert.

In seinem Eingangsreferat konnte Prof. Dr. Mayer, Direktor der Hochschulambulanz des Zentrums für Sportmedizin, Freizeit-, Gesundheits- und Leistungssport der Universität Potsdam einen Überblick geben, welche Strukturen am Kniegelenk zu einer Einschränkung der sportlichen Leistungsfähigkeit beim Leistungssportler, aber auch beim Freizeitsportler und einem Patienten, der bereits eine Arthrose entwickelt hat, führen. Es müssten stets die betroffenen Strukturen berücksichtigt werden, um möglichst rasch wieder in das Training einsteigen zu können. Bei bestimmten Verletzungen, bzw. Erkrankungen sind teilweise mehrmonatige Erholungspausen erforderlich. Wichtig sei gerade auch im höheren Alter ein konsequentes Krafttraining. So müsse man beispielsweise beim Treppauf gehen im Kniegelenk Muskelkräfte bis zum 3 bis 4-fachen des Körpergewichtes aufwenden. Somit mache es wenig Sinn bei muskelkräftigenden Übungen, zum Beispiel im Bankdrücken, nur geringe Gewichte zu verwenden. Gleichzeitig seien sogenannte exzentrische Dehnungen der betroffenen Muskulatur ebenso wichtig, wie gezielte Koordinationsübungen. Kraft- mit Koordinationstraining könnte und sollte laut Prof. Mayer auch im höheren Alter begonnen werden und trage so zum Erhalt der Mobilität und Knochengesundheit bei.

Herr Privatdozent Dr. Wagner, Chefarzt der Orthopädischen Kinderklinik Aschau sieht in seiner Sprechstunde viele Fälle mit Kniegelenksproblemen bei Kindern und Jugendlichen, wobei 70 % nicht behandlungsbedürftig sind und maximal 10 % operiert werden müssen. Wichtig sei es, wenn die Kniegelenksschmerzen kein banales Symptom darstellen, zügig die Ursache abzuklären, um keine Infektion, Rheuma oder einen Tumor zu übersehen. Relativ häufig seien Kniegelenksschmerzen bei Beinachsenfehlstellungen. Ideal sei es dann, während der noch möglichen Wachstumsperiode eine Wuchslenkung über Platten oder Schrauben durchzuführen. Damit können die einfachen Fehlstellungen beseitigt werden. Sehr wichtig aber sei es, bei Kniegelenksschmerzen auch die Hüfte abzuklären, da sich schwerwiegende Erkrankungen des Hüftgelenkes durch einen isolierten Schmerz im Knie bemerkbar machen können.

Einen äußerst interessanten Überblick über die Entwicklung der Knieendoprothetik, bzw. seine eigenen Erfahrungen der letzten 15 Jahre, gab Herr Prof. Dr. Renkawitz, Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik Bad Abbach/Regensburg. Trotz Navigation oder individueller Knieendoprothesen konnte es nicht erreicht werden, die Anzahl unzufriedener Patienten von bis zu 20 % signifikant zu senken. Allerdings habe man in dieser Zeit doch viel gelernt über individuelle Achsausrichtungen eines jeden Kniegelenkes. Somit wird nicht mehr angestrebt das Bein intraoperativ ganz gerade einzustellen, sondern individuell je nach prä-operativen Befund. Ein Werkzeug hierbei könne die Robotik sein, Langzeitergebnisse müssen jedoch noch abgewartet werden. Ein Dilemma sei jedoch, dass gerade diese neuen Verfahren finanziell nicht abgebildet seien, so dass es im Moment ungewiss sei, ob wir uns diese, im Gegenteil zu anderen Ländern, in Zukunft überhaupt noch leisten können.

Ein sehr neues und innovatives Verfahren stellte Herr Privatdozent Dr. Wiesmüller, Oberarzt in der Abteilung für interventionelle Radiologie am St. Elisabeth Klinikum, Straubing vor. Es handelt sich um eine gezielte Embolisation, d.h. Verschluss kleinster Arterien am Kniegelenk mit einer Mikrokathedertechnik. Diese Katheder seien keinen Millimeter dick und man könne so die kleinen Arterien entzündeter Bereiche am Kniegelenk isoliert verschließen, um eine Schmerzreduktion zu erhalten, die oftmals länger als 12 Monate anhält. Eine Wiederholung dieser Therapie sei problemlos möglich, man vergebe sich nichts für weitere Operation, könne diese aber hinausschieben. Eine Kniegelenksprothese ist danach ohne weitere Nachteile jederzeit einsetzbar. 

Die Chefärzte der anästhesiologischen Abteilung der Orthopädischen Fachklinik Schwarzach Herr Dr. Birker und Herr Brandt berichteten über die Wichtigkeit der Schmerztherapie vor, während und nach dem operativen Einsetzen eines künstlichen Kniegelenkes. Hier werden viele Bausteine zusammengefügt, um ein möglichst schmerzarmes Aufstehen spätestens am ersten Tag nach der Operation zu gewährleisten. Dabei sei ein neues lokales Schmerzverfahren eingeführt worden, um einerseits die Schmerzen zu reduzieren aber andererseits nicht die Muskelkraft zu beeinträchtigen, da es ansonsten zu einer vermehrten Sturzneigung komme. Die Ergebnisse der ersten Monate seien sehr ermutigend, die Patienten dadurch noch schneller mobil. Dies werde unterstützt durch ein Blut-Management-Programm, das dafür sorge, dass die Patienten mit weniger Nebenwirkungen schneller mobil werden. Somit mussten im Jahre 2025 nur bei 0,1 % der Knieendoprothetik eine Transfusion erfolgen, was im innerdeutschen Vergleich einen sehr guten Wert darstelle.

Zum Abschluss präsentierte Herr Dr. Paul, leitender Arzt für Arthroskopie an der Klinik Schwarzach, die aktuellen therapeutischen Möglichkeiten am Kniegelenk bei einem isolierten Knorpelschaden. In der Vergangenheit wurden bereits mehrere Techniken entwickelt, um die Selbstheilung des Knorpelschadens anzuregen, durchaus mit guten Ergebnissen. Bei größeren Defekten versagen diese aber, so dass hier sogenannte Knorpelzelltransplantationen erforderlich werden. Hierzu musste in einer ersten Operation Knorpel entnommen, extern angezüchtet und dann in einer zweiten Operation nach 4 bis 6 Wochen replantiert werden. In einem neueren Verfahren kann dies nun in einer Operation durchgeführt werden, indem Knorpelstücke entnommen, zerkleinert und mit einer Beimengung verschiedener körpereigener Stoffe in den Defekt eingebracht werden. Die mittelfristigen Ergebnisse seien mit dem zweizeitigen Verfahren vergleichbar, Langzeitergebnisse müssen abgewartet werden.

Herr Privatdozent Dr. Martini, Chefarzt der Orthopädischen Fachklinik Schwarzach führte durch das Symposium, das bis zum Schluss sehr gut besucht war.

Referenten des Symposiums (v.l.n.r.): Privatdozent Dr. Wagner, Professor Dr. Mayer, Privatdozent Dr. Wiesmüller, Dr. Birker, Herr Brandt, Professor Dr. Renkawitz, Dr. Paul und Privatdozent Dr. Martini